Wilde Pferde aus Huelva - Saca de las Yeguas

Wer nicht gerade ein Pferdenarr ist und in der Region von Huelva lebt, hat sicher kaum etwas davon gehört. Dabei ist dieses zelebrierte Fest - Saca de las Yeguas - eine der ältesten und besterhaltenen Traditionen in Andalusien. Seit 500 Jahren werden jedes Jahr wilde Pferde aus den Sümpfen gelockt und in das Dorf El Rocio getrieben. 

Wenn man das erste Mal dabei ist, muss man sich die Augen reiben. Es ist kaum zu glauben, dass solche Traditionen mitten in Europa und im Jahr 2015 noch so lebendig sind!

Die ganze Atmosphäre ist ein bisschen wie im Wilden Westen bei der Mustang-Jagd. Dieses andalusische Fest hingegen hat Hollywood noch nicht verfilmt und es gibt außerhalb Spaniens sehr selten Berichte darüber. 

Die Saca de las Yeguas ist ein Festival der Einheimischen und wir hatten das unverschämte Glück, dabei zu sein. Mieten Sie hier eine Ferienwohnung in Andalusien, um dieses Fest ebenfalls erleben zu können!

Was heißt Saca de las Yeguas eigentlich?

Jedes Jahr treffen sich am 26. Juni in der Gegend von El Rocío andalusische Reiter, die sich Yegüerizos nennen. Sie machen sich auf den Weg, um die Sümpfe und Wiesen im Nationalpark Doñana nach wild umherlaufenden Pferden zu durchforsten.

Die Pferde leben die meiste Zeit auf sich gestellt in völliger Freiheit und vergnügen und vermehren sich. Der Mensch versucht, ein bisschen die Kontrolle zu behalten, in dem er sie hin und wieder einfängt und zählt.

Hunderte dieser halbwilden Pferden werden dann in einen Ort namens Almonte getrieben. Hier werden sie gewaschen, beschlagen und dann zurück ins Dorf El Rocío gebracht, wo sie auf einem Pferdemarkt verkauft werden sollen. Die glücklichen Pferde, die nicht verkauft werden, kommen zurück zu ihrer Herde und werden wieder in die Freiheit entlassen.

Die ganze Aktion wird, wie es typisch in Andalusien ist, mit einem drei Tage währenden Dorffest kombiniert und als Jahrestag des lokalen Schutzheiligen San Pedro gefeiert. 

Pferdemarkt zur Saca de las Yeguas - El Rocio

Ein langer, heißer Tag unter der Sonne Andalusiens

In den frühen Morgenstunden des ersten Tages ist der Hauptplatz der Aldea del Rocio noch völlig verlassen und ruhig. Die Stille ist fast gespenstisch. Vielleicht weht eine leichte Brise über die sandigen Landstraßen und wirbelt etwas Staub auf. Sand dreht sich im Kreis auf dem menschenleeren Platz, der in wenigen Stunden voller Menschen sein wird.

Nichts deutet darauf hin, dass an diesem stillen Ort später Chaos ausbrechen wird. Tausende von stampfenden Hufen und wilde Rufe von Cowboys werden erklingen. 

Kurz vor 9 Uhr tritt ein älterer Mann mit einem großen Strohhut zum Schutz gegen die unerbittliche Sonne Andalusiens, auf die Plaza. Er trägt einen Klapphocker unter einem Arm und eine vara, ein ein dünnes Holzstöckchen, das Bauern hier verwenden, um Tiere in Schach zu halten. Keine Bange - geprügelt wird damit nicht!

Almonte - Saca de las Yeguas

In aller Gemütsruhe setzt er sich auf seinen Klappstuhl an den Rand des Platzes und wartet. Er muss nicht lange warten. Alt hätte eine unsichtbare Macht das Schicksal dieser Menschen in der Hand, füllt sich der Platz plötzlich. Familien kommen in ihren Sonntagskleidern, Damen in traditionellen Flamencokostümen, Bauern in einfachen Arbeitsanzügen und Cowboys in karierten Hemden. Sie alle strömen auf den sandigen Dorfplatz.

Neben dem alten Mann nimmt eine junge Frau Platz. Die 27-jährige Inmaculada wartet zusammen mit ihrem Großvater auf die Ankunft der Pferde. Wie alle hier hat Inmaculada in einem Alter reiten gelernt als sie selbst gerade erst laufen konnte.

Im nächsten Jahr will sie an der renommierten Romería del Rocio teilnehmen. Dies ist eine der wichtigsten andalusischen Prozessionen mit Pferden und Kutschen, die für mehrere Tage durch den Nationalpark Doñana und nach langen und strapaziösen Tagen schließlich an diesem Platz endet.

 

Stuten mit Fohlen in Almonte - Saca de las Yeguas

Heute ist Inmaculada aber wegen der Pferde hier, weniger wegen der Jungfrau. Während die Romería (ide Prozession) eher ein religiöses Fest ist und Millionen Menschen aus ganz Spanien anlockt, ist die Saca de las Yeguas etwas für die Einheimischen und Bauern, die mit den Pferden arbeiten. Es ist ein richtiges Landfest, wie es nur noch in funktionierenden Dörfern gefeiert wird.

Kurz nach 10 Uhr kündigt der Lautsprecher an, dass die Pferde nun auf dem Weg sind. Die Dorfpolizisten drängen die Menschenmenge von der Straße an die Hauswände. In letzter Zeit ist man etwas vorsichtiger mit den galoppierenden Pferdeherden, denn es sind viele Unfälle passiert. Schließlich kommen Hunderte von Wildpferden in höchster Geschwindigkeit und Angst in ein Dorf voller lärmender Menschen gerannt. Sogar die mutigsten Pferde geraten dabei schnell in Panik.

Bis vor wenigen Stunden waren diese Pferde freie und wilde Tiere und lebten ohne jeden menschlichen Kontakt im Doñana-Nationalpark. Die Pferde gehören zu einer Rasse, die Marismeña genannt wird, benannt nach den Sümpfen in Meeresnähe. Es ist eine Pferderasse, die seit Jahrtausenden hier ansässig ist und für ihre Kraft und Ausdauer bekannt ist.

Das Doñana ist das Flussdelta des Guadalquivir und Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet. Niemand darf in den Nationalpark ohne Genehmigung und ohne offiziellen Führer. Diese Ranger kennen die Gebiete, wo die Pferde grasen, und führen die Besucher daran vorbei. Viele der jüngeren Pferden haben deshalb noch nie einen Menschen gesehen.

Auf der Suche nach den Wildpferden in Almonte - Saca de las Yeguas

Nur die Yegüerizos sind privilegiert und haben bevorzugten Zugang zum Nationalpark und den wilden Pferden. Sie verbringen viele Tage mit dem Auffinden der Herden und müssen das Zusammenpferchen raffiniert einfädeln. Das Treiben der Tiere erfolgt nach einem bewährten Ritual, das Tausende von Jahre alt ist und für das es keinerlei heute so verbreitete Sicherheitsstandards gibt. Diese Männer handeln lediglich auf erlernter Tradition, Intuition und durch ihren gesunden Menschenverstand.

Die erste offizielle Erwähnung der Saca de las Yeguas in einem offiziellen Dokument stammt aus dem Jahr 1504, als der Herzog von Medina Sidonia beschloss, das Eintreiben der Wildpferde zu regulieren. Aber schon damals muss das Ritual viele Jahrhunderte alt gewesen sein.

Almonte - Saca de las Yeguas

Die Bewohner dieser Region haben ihre Dörfer auf die Bedürfnisse von Pferden ausgelegt. Beispielsweise sind die Straßen von El Rocio alle aus weichem Sand, damit die Pferde ohne ihre Hufeisen hier leichter hindurchlaufen können. An den lokalen Häusern und Geschäften sind Balken angebracht, wo die Pferde leicht festgemacht werden können. Wer durch das Dorf schlendert, wird sich ein bisschen wie in einem Kulissenaufbau für einen Spaghetti-Western fühlen. Nur, dass dies hier die Wirklichkeit ist und kein Kino.

Die meisten Bewohner der Orte, und das betrifft Männer und Frauen, beteiligen sich in irgendeiner Form an der Saca de las Yeguas. Zwar gibt es keine Altersbeschränkungen, doch es sind oft junge Männer, die sich als Yegüeizos in die Sümpfe aufmachen. Die Arbeit ist hart und körperlich anstrengend, vor allem beim Eintreiben und Einkesseln der Pferden im Nationalpark. Es ist brütend heiß und man muss richtiog zupacken können.

Almonte - Saca de las Yeguas

Die innerhalb des Nationalparks lebenden Pferde werden in einem Gebiet zusammengepfercht namens La Boca del Lobo - auf Spanisch "Der Wolfsschlund". Die armen Tiere kommen ziemlich erschöpft und völlig eingestaubt hier an.

Sobald die Herde beisammen ist, werden sie in einem Kreis zusammengetrieben und erst einmal in Ruhe gelassen, damit sie sich beruhigen und neue Kraft sammeln können. Dann werden die Pferde an einer Heiligenfigur vorbei getrieben, die La Blanca Paloma ("Die weiße Taube") heißt. Es ist eine Jungfrauenstatue aus dem zwölften Jahrhundert. Jetzt trennen die Tiere nur noch einige Kilometer Pinienwald vom Dorf Almonte.

Almonte - Saca de las Yeguas

In diesen Pinienwäldern bereiten die einheimischen Familien ihren Yegüerizos, den Männern, die den ganzen Tag mit der Pferdesuche beschäftigt waren, einen herzlichen Empfang. Es wird oft seit den frühen Morgenstunden gekocht, um alles zur rechten Zeit fertig zu bekommen. Besonders geschätzt ist die traditionelle Paella über offenem Feuer in großen Pfannen.

Die Yegüerizos legen nun ihre wohlverdiente Pause ein und lassen es sich bei üppigem Essen und vielen Gläschen Wein gut gehen. Die ganze Gemeinde kommt zusammen, um diese Pausen zu genießen und das Fest zu feiern. Dabei haben auch die Pferde Gelegenheit, sich auszuruhen und gewöhnen sich allmählich an den Kontakt mit den Menschen. 

Es dauert nicht mehr lange und schon formen sich kleine Gruppen von Pferden, die durch das Dorf galoppieren. Alles scheint reibungslos zu klappen, als wüssten auch diese Pferde von ihren Vorfahren vor Tausenden von Jahren, dass dies der natürliche Gang der Dinge ist. Es gibt keine Zwischenfälle. Mit einem merkwürdigen Urvertrauen schaffen es die Yegüerizos, die Pferde dorthin zu bewegen, wo sie gebraucht werden. Jeder scheint genau zu wissen, was zu tun ist, trotz der extremen Spannung und Aufregung und diese Ruhe der Männer wirkt auch auf die Tiere beruhigend.

Die Pferde rücken näher zusammen und folgen den Leittieren der Herde. Die Fohlen sind am aufgeregtesten und wirken oft verängstigt, wenn sie ihre Augen verdrehen und nah bei ihren Müttern bleiben wollen. Es dauert etwa eine Stunde, bis alle Pferde durch Almonte hindurchgetrabt und gerannt sind. Dann plötzlich ... ist alles vorbei. Der Platz ist wieder leer. Der Staub legt sich wieder. Jeder der Zuschauer macht sich auf den Weg in die nahe gelegenen Bars und sucht sich ein schattiges Plätzchen, um seinen Durst zu stillen.

Die Pferde werden am Ende ihrer Reise in der Huerta de la Cañada, einem offenen und für alle zugänglichen Gehege etwas außerhalb des Dorfes zussammen gebracht. Hier verbringen sie ihre erste Nacht in Gefangenschaft.

Almonte - Saca de las Yeguas

Woher stammt die uralte Tradition?

Am nächsten Tag werden die Pferde vor den Augen ihrer potenziellen Käufer, Pferdeliebhaber und Zuschauer aufgeteilt. Sie werden alle vom Staub und Dreck der Sümpfe gewaschen und geimpft. Die Yegüeizos beschneiden die Mähnen und Schweife, so dass sie präsentabel für die Pferdemesse sind.

Wenn ein Zuschauer sich für ein Pferd interessiert und es kaufen möchte, versuchen die Männer das Pferd von den anderen zu trennen und aus der Herde heraus zu locken, damit es von Nahem angesehen werden kann.

Wegen der Wirtschaftskrise werden jedoch immer weniger Pferde verkauft und die Preise sind erheblich gesunken. Ein Pferd kostet jetzt zwischen 600 € und 1500 €. Dennoch lebt die Tradition weiter und wird es sicher noch viele Jahrhunderte tun, solange es Menschen und Pferde gibt.

Auf dem Denkmal der Yegüerizos in Almonte ist ein interessanter Satz zu lesen, der den Stolz dieser "Pferdezüchter" widerspiegelt: "Wer noch nie ein Pferd aus dem Sumpf entführt hat, weiß nicht, was es bedeutet, zu reiten."

Karte von der Saca de las Yeguas

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