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Stadtbummel durch Guadix

Diese imposante Kleinstadt schmiegt sich fest an die nördlichen Ausläufer der Sierra Nevada als wollte sie hinter dem gigantischen Gebirge Schutz vor dem Massentourismus der Strände suchen. Guadix liegt klar abseits der typischen Routen für Rundreisende, die durch Andalusien touren, aber umso besser! 

Trotz der abgeschiedenen Lage ist Guadix quicklebendig und lockt eine besondere Art von Reisenden an, die ein Herz für das authentische Hinterland Andalusiens haben.

Landschaftlich ist das Gebiet alles andere als unauffällig. Von der Autobahn A-92 aus erkennt man schon von weitem die weißen Schornsteine aus den Höhlenwohnungen ragen. Auch den Glockenturm der Kathedrale kann man als Silhouette der Stadt vom Autofenster schon gut sehen. Eine Schande, wer jetzt weiterfährt und sich keine Zeit für einen Abstecher in die Höhlenstadt macht! 

Das Städtchen kann man in weniger als 1 h von Granada mit dem Auto erreichen, oder noch viel schöner, mit der gemächlichen Berg-und Talbahn.

Wer mehr erfahren und hier auch mal für eine oder zwei Nächte bleiben und in der Nähe der Sierra Nevada übernachten möchte, kann sich unsere Auswahl an Ferienunterkünften in Guadix ansehen.

Guadix zu Fuß - Altes und Neues entdecken

Die Stadt liegt umringt von grünen üppigen Feldern und Pappelwäldchen, die von den herabfließenden Bächen des nahen Gebirges genährt werden in einem Tal. Wegen der grandiosen Natur, die Guadix umgibt, wirkt die Stadt auf den ersten Blick ein bisschen provinziell und bäuerlich. Dabei war die Stadt in der Antike einmal eine der wichtigsten römischen Legionärsstädte und hieß Acci. Am Flussbett des Rio Guadix sieht man noch Ruinen des römischen Amphittheaters.

Wer zu Fuß durch die Innenstadt schlendert und die mit Eschen bewachsene Allee Avenida Medina Olmos entlangläuft oder die Freitreppe zur mächtigen Kathedrale hinaufsteigt, merkt schon, dass Guadix eine richtige lebendige Kleinstadt ist.

Im Zentrum gibt es mit der Avenida Buenos Aires eine quirlige Einkaufs- und Bummelmeile, wo sich auch in den Nebenstraßen ein Laden an den anderen reiht und sehr gute Bars, Restaurants und Cafes zur Verschnaufpause einladen. Die Geschäfte haben in Guadix meist etwas länger als üblich auf, so dass man noch bis spät am Abend gemütlich einkaufen kann. Erst gegen 21 Uhr ist Ladenschluss.

Wer allerdings eine hypermoderne und hektische Großstadt erwartet, wird enttäuscht. In Guadix geht es trotz der Lebendigkeit eher gemächlich zu und zu Fuß hat man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auch recht schnell abgeklappert. 

Es gibt viele tolle Sehenswürdigkeiten zu entdecken und besondere Menschen, die aus Guadix stammten und bis heute den Ort mitgeprägt haben. Der verarmte adelige Dichter Pedro Antonio de Alarcón zum Beispiel, der 1833 in Guadix geboren wurde und zunächst in Granada Jura studierte, sich das dann aber nicht mehr leisten konnte und Priester wurde. Sein berühmtestes Buch ist "Der Dreispitz", das fleißige Menschen digitalisiert haben und das hier online lesbar ist.

Die wenigsten Menschen kommen natürlich wegen eines alten Dichters nach Guadix, sondern vielmehr, um die einzigartige Architektur aus Kathedrale, maurischer Festung und dem berühmten Höhlenviertel anzuschauen.

 

Wo sollte man seinen Rundgang beginnen?

 

Von so gut wie jedem Winkel aus kann man das Wahrzeichen von Guadix - die riesige Kathedrale -erkennen. Wie so oft in Andalusien stülpten die wiedererstarkten Christen diesen Kirchenbau über eine alte Moschee, die von den fliehenden Mauren zurückgelassen wurde.

Wer zu faul zum Laufen ist, kann vor der Kathedrale in eine Touristeneisenbahn einsteigen und sich durch die Innenstadt bis zum Höhlenviertel chauffieren lassen. Der Zug fährt alle halbe Stunde ab und kostet 5 € (Stand Oktober 2014).

Die Kathedrale entstand noch in der Gotik, doch dann dauerte der Bau zu lange und die Zeiten und damit der Geschmack änderten sich. Erst im 16. Jahrhundert wurde der gigantische Bau fertig und bekam so seine fulminante Fassade und Türme im typisch verspielten Barockstil, die wir heute noch bewundern können. Der goldgelbe Sandstein leuchtet am späten Nachmittag wie die untergehende Sonne - ein toller konstrastreicher Anblick vor den Gipfeln des Schneegebirges Sierra Nevada

Das Innere der Kathedrale darf man leider nur bestaunen, wenn man dafür bezahlt. Dafür bekommt man einen Audioguide und zahlt 5 Euro.

Wer sich nach einer vielbesuchten Messe mittags an den Kirchengängern vorbeimogeln möchte, wird ganz sicher vom Kirchendiener aufgestöbert und wieder hinausbefördert. Der Mann klimpert dann mit einem riesigen Schlüssel und will die Kathedrale so schnell wie möglich abschließen und nach Hause oder in die nächstbeste Tapasbar gehen. Besser ist es, abends den Besuch zu planen.

In die Kathedrale tritt man durch den Besuchereingang in der Seitengasse Paseo de la Catedral und das Tor Portada de San Torcuato ein.

Öffnungszeiten der Kathedrale:

Oktober bis März:

Montag - Samstag 10:30 bis 14 Uhr und 16 bis 18 Uhr

Ab Juni bis September am Abend 10:30 bis 14 Uhr und von 17 bis 19:30 Uhr geöffnet.

Sonntags: 19 bis 20 Uhr, im Sommer bis 21 Uhr.

 

Wo kann man am besten essen und trinken in Guadix?

Gleich links von der Kathedrale befindet sich der Hauptplatz von Guadix, die Plaza de la Constitución. Hier ist die Touristeninformation untergebracht, wo man sich einen Stadtplan und viele praktische Informationen geben lassen kann.

Rund um die Plaza gibt es auch viele kleine Bars und Cafés unter den Arkaden, die preiswerte Tagesmenüs anbieten. Solche Menus del Dia variieren zwischen 8 - 10 € für ein dreigängiges Mittagessen. Das Essen ist lokal, recht einfach und typisch spanisch und damit der Ernte- oder Jagdsaison angepasst. 

Eine weitere typisch spanische Bar mit rustikalen üppigen Portionen und ehrlicher andalusischer Küche ist die Bodega-Bar Bodeguilla direkt im Stadtzentrum in einer Seitenstraße der Avenida Medina Olmos. Das ist eine uralte Weinstube, wo bis unter die Decke die Sherry-Fässer gestapelt sind und dieser süße Wein direkt ins Glas gezapft wird. Schinken- und Wurstteller oder Käseplatte - Jamon o Queso - gibt es stets zum Wein dazu als Tapas. Abends wird es voll, denn vor allem Einheimische lieben die alte Bar.

Sehr urig ist auch die Bar Meson Virgen de Gracia im Höhlenviertel gleich gegenüber der Kirche. Diese Bar wurde direkt in den Fels gehauen und ist ein Höhlenrestaurant, dem man das gar nicht so ansieht, wenn man drin sitzt. Nur wenn man davor steht oder spätestens wenn man einen Spaziergang über die Dächer macht, stellt man fest, dass sich die Kneipe unter der Erde befindet.

Das Lokal ist nach Ansicht eines spanischen Tripadvisor-Kritikers das einzige vernünftige Restaurant im Barrio de Cuevas (Höhlenviertel), wo man gemütlich sitzen und essen und trinken kann. Wir haben da nur einen Tee mit Rum getrunken und nichts gegessen, weil es nachmittags war. Wegen des Ambientes sollte man hier aber ruhig mal einkehren. Lustig fand ich den Kneipenspruch auf einer Kachel: Si bebes para olvidar, paga antes de empezar. Das heißt so etwas wie: "Wenn trinkst, um alles zu vergessen, bezahl bittschön vorher!"

 

Rundgang durch das Barrio de Cuevas - Wohnhöhlenviertel von Guadix

Gestärkt mit Tapa und Wein kann man sich jetzt zu einem gemütlichen Rundgang durch das Höhlenviertel aufmachen. Ich versichere euch, so etwas habt ihr noch nicht gesehen! Überall ragen weiße Schornsteine aus dem Gras und Fernsehantennen.

Man läuft ein bisschen wie im Hobbit-Land zwischen den Behausungen umher und steigt den Leuten quasi aufs Dach. Dann bellen natürlich die Hunde wie im Bild unten. Das ist auch nicht ganz ungefährlich, da eine Höhle auch einmal einstürzen kann. Vor allem nach langanhaltenden Regenperioden ist der Lehm durchweicht und könnte nachgeben. Passiert aber sehr selten. Schließlich leben Tausende von Menschen in Guadix seit Urzeiten in diesen Wohnhöhlen. 

Einen grandiosen Rundum-Überblick über das gesamte Wohnviertel erhält man vom Mirador Padre Poveda, oberhalb des Kirchplatzes. Der zentrale Platz heißt Plaza Ermita Nueva-Padre Poveda, wo sich die Kirche Santa de la Virgen de Gracia befindet. Sieht man einmal von den wie Spargel aus dem Boden ragenden Kaminschloten ab, wirken die Höhlenhäuser manchmal ganz normal. 

Höhlenmuseum von Guadix

Das Höhlenmuseum - Centro de Interpretación - ist in einer alten Wohnhöhle eingerichtet und besteht aus den originalen Zimmern, die ins Gestein gehackt wurden. Der Eintritt kostet 2, 50 Euro und die Museumsbetreiber sind sehr nett und zeigen und erklären einem alles, was man wissen will.

Die Museumshöhle besteht aus einem Schlafzimmer, einer Küche und Speisekammer. Es gibt noch so eine Art Hobbyraum mit Werkzeugen und sogar eine Kammer, die als Schweinestall diente. Die Haustiere lebten damals mit den Familien zusammen. 

Es gibt auch ein kleines Höhlenzimmer mit Videoleinwand, wo (auch auf Englisch) das Alltagsleben gut präsentiert wird. Anschließend kann man auf eigene Faust diese Vorzeigehöhle erkunden und sich die interaktiven Tafeln und Informationen anschauen.  

 

Der Einblick in die mit altem Mobiliar und Utensilien eingerichteten Zimmer ist zugleich ein faszinierender Blick in die Vergangenheit von Guadix. Hinter Glas sind  eingerahmte Briefe und eine Art Chronik von der Familie ausgestellt, die ursprünglich in dieser Höhle gewohnt hatte mit Anekdoten und Erinnerungen an ihr zwar armes, aber doch recht glückliches Leben in schwierigen Zeiten.

Öffnungszeiten:

Montag -  Freitag: 10 bis 14 und 16 bis 18 Uhr. Im Sommer: 17 bis 19 Uhr. Samstags und Feiertage: 10 bis 14 Uhr.

Preise: 2,60 Euro Erwachsene, ermäßigt 1,55 Euro Kinder bis 14 Jahre gratis.

Tel: +34 958 665 569

Heute leben noch Tausende Menschen wie Fred und Wilma Feuerstein im Höhlenviertel von Guadix. Rund 2000 Höhlen sind ständig bewohnt und die meisten den modernen Bedürfnissen längst angepasst. Es gibt Flachbildschirme statt Schweineställe, Heizungen und geflieste Bäder.

Trotzdem gilt das Viertel immer noch als Zigeunerquartier und es kann einem jederzeit passieren, dass man um etwas Kleingeld angesprochen wird. So manche Höhlenfamilie will Besucher auch gern in ihr Haus locken und erhofft sich einen kleinen Obolus davon. Das darf man selbst entscheiden. Die meisten Touristen lehnen natürlich freundlich ab und besuchen lieber das offizielle Höhlenmuseum. Gefährlich wird es jedoch nicht im Barrio de las Cuevas.

Wer keine Lust hat, Geld im Höhlenmuseum zu lassen, kann auch zu den offiziellen Messen und Besuchszeiten in der Kirche La Ermita Nueva de Nuestra Señora de Gracia interessante Höhlenzimmer besuchen. Das von Außen wie eine ganz normale Kirche wirkende Gebäude ist nämlich ebenso eine Höhle und an eine alte Felskapelle, die unterirdisch gebaut wurde, angeschlossen.

Wenn man die Kirche durchläuft, kommt man in den hinteren Räumen in diese alte Kapelle, die ein kleines Museum in sich ist. Sogar eine Höhlenküche und Wohnräume der alten Priester sind hier zu sehen.

Was gibt es sonst noch in Guadix zu entdecken?

  • Die Alcazaba aus dem 11. Jahrhundert thront über der Stadt und bietet eine schöne Aussicht über die Dächer und das Höhlenviertel.
  • Iglesia of Santiago - eine kleine, hübsche Kirche mit einem Glockenturm aus grünen und blauen Fliesen.
  • Töpferei und Höhlenmuseum - befindet sich neben der Alcazaba und ist mit hochinteressanten altertümlichen Hausgegenständen und Tontöpfen aus der Region vollgestopft.
  • Palacio de Los Marqueses de Villalegre - Ein aristokratischer Palast mit beeindruckender Architektur aus Zwillingstürmen an den Ecken.
  • Palacio de Penaflor - Mittelalterliches Haus von Adelsfamilie mit hölzernem Erker in der historischen Innenstadt.

Wer also eine Rundreise durch das Hinterland von Andalusien macht und nach Granada reist, sollte einmal Station in der Höhlenstadt Guadix machen! Weitere interessante Ausflugsziele in der Umgebung sind

Megalithpark Gorafe

Skigebiet Sierra Nevada

Hammams und Spas in Granada

 

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